Klein, smart, schnell - die a6400

Aktualisiert: Apr 27

Eine APS-C Kamera, kein Vollformat, optisch schlicht und ein unfassbar schneller Autofokus. Die kleine Alpha 6400 hat mehr zu bieten als man denkt.

Das ist sie also, meine neue heimliche Liebe, oder zumindest mein derzeitiger Geheimtipp wenn ich gefragt werde: "Du Axel, kannst du mir vielleicht ne Kamera empfehlen, nicht so ein Profiding und auch nicht ganz so teuer, aber "gute Bilder" soll sie machen?"


OK - gute Bilder ... da gibt es sicher noch ein paar andere Faktoren als nur die benutzte Kamera. Egal - ich soll guten Gewissens eine Kamera empfehlen, dann tue ich das doch, Schließlich benutze ich sie ja auch selber und bin nach wie vor erstaunt, was die Kleine im beruflichen Alltag so leistet. Neben Vollformatkameras und großen, schweren Objektiven greife ich immer wieder gerne zur a6400 und staune noch immer über die technische Qualität der Bilder, die Autofokusgeschwindigkeit und die Präzision, sowie die Möglichkeit deutlich unauffälliger als Fotograf agieren zu können. Allein die Art wie man sie vor das Auge nimmt, wie so eine Art Messucherkamera der alten Schule. Zusätzlich noch mit einem kleinen Objektiv bestückt, lässt sie einen weniger als Fotograf, weniger aufdringlich, weniger präsent in Erscheinung treten. Das hat, wenn man sich im Mittelpunkt eines Geschehens befindet den Vorteil, dass man seltener selbst zum Mittelpunkt wird. Gleichzeitig wirkt sie wie eine Amateurkamera, also wird man oft nur als solcher gesehen und das ist mir persönlich oft ganz recht. Ich behaupte, so sind oft Fotos möglich, die mit einer großen, schweren und oftmals lauten und auffälligen Kamera gar nicht erst entstanden wären.


Nur am Rande erwähnt, zeigt das obige Bild meine Kamera, so wie ich sie täglich einsetze. Angefangen mit der orangen Blitzschuhabdeckung ( meine ist von Redeye3Ddruck - kostet glaube ich so um die 3 Euro), die ich in regelmässigen Wochenabständen verliere, die erste meist schon nach ein paar Tagen. Außerdem verwende ich einen aus Metall gefertigten aber sehr leichten L-Bracket (dieser ist von UURig, es gibt aber auch noch zig andere Hersteller (irgendwo zwischen 20 und 30 Euro findet man sie bei Amazon). Das hat den Vorteil, dass die Kamera selbst bei kleinen Stößen ein wenig geschützter ist, sofort auf ArcaSwiss kompatible Stativköpfe gesetzt werden kann (sowohl im Hoch- als auch im Querformat) und man benötigtes Zubehör (wie z.B. ein Mikro und/oder ein kleine Lampe etc) direkt befestigen kann. Zu guter Letzt - das L-Bracket macht die Kamera ein kleines bisschen griffiger. Ich habe normal große Hände und komme mit der 6400 auch so ganz gut klar. Mit diesem Bracket ist es mit der Ergonomie noch ein bisschen besser geworden.


Zudem ist noch ein Peak-Design Gurt an der Kamera. Damit kann man den Gurt schnell mal eben abnehmen. Kein lästiges "Gezuppel" mehr, wenn man die Kamera (z.B. in einem Gimbal) ohne Gurt benutzen will und ihn direkt danach wieder sicher befestigen will. Schon mal die Zeit gestoppt wie lange das mit einem normalen Gurt dauert? Mich hat es genervt und die Peak Design Gurte finde ich einfach praktisch. Klickt einfach hier für ein paar mehr Infos.


So - die a6400 ist (für mich) damit nun einsatzbereit. Hier also 3 Beispielbilder aus den letzten Tagen, die für mich ein bisschen repräsentativ für die Vorteile der Kamera sind:


Bild 1: Soldaten laufen auf ein militärisches Schiff zu. Eine Aufnahme die so an der Stelle nur mit einer einigermassen langen Brennweite / Teleobjektiv möglich wäre. Der immer wieder gescholtene APS-C Sensor, hat gegenüber Vollformat-Sensoren einen echten Vorteil. Den Verlängerungsfaktor von 1,5. Ein 200mm Objektiv wird zum 300er, ein 100-400 zu einem 200-600. Was bei Weitwinkelobjektiven oft nervig ist, dass sie eben nicht mehr richtig weitwinklig sind, wird bei Teleobjektiven zum Vorteil. Man kommt einfach näher an das Motiv heran, wenn man seinen Standpunkt nicht ändern kann.


Bild 2: Wolfgang Kubicki beim FDP-Parteitag. Ich habe Kubicki hier als Bildbeispiel genommen und dies nicht, weil ich irgendwelche politischen oder menschlichen Sympathien verkaufen will (das bitte als Hinweis).

Auch hier wird ein weit verbreitetes Vorurteil zumindest ein bisschen widerlegt. APS-C Kameras haben keine guten High-ISO Fähigkeiten. Mit der kleinen Sony bin ich auch hier überrascht worden. Ich arbeite mit Werten bis hin zu ISO 6400, erst darüber hinaus finde ich die Aufnahmen ein bisschen rauschig. Bis 6400 sind sie voll nutzbar und wenn ich daran denke, dass ich vor vier bis fünf Jahren Vollformat Spiegelreflexkameras nur bis ISO 1600 belichtet habe und die Ergebnisse der Sony bei höheren ISO-Werten mindestens vergleichbar gut sind (und dies mit einem deutlich kleineren Sensor) ist das schon bemerkenswert.


Was die kleinen Sensoren heute so alles drauf haben zeigen auch die kleinen Fuji-Kameras (XT4 und andere), wobei dieser Vergleich ein wenig unfair ist. Die XT4 kann ein wenig mehr, ist aber auch doppelt so teuer.


Bild 3: Möwen prügeln sich an einer Hafenmauer. Wer schon einmal versucht hat, sich schnell in alle Richtung bewegende Objekte zu fotografieren weiss, dass es die meisten AF-Systeme vor einige Probleme stellt. Inzwischen gibt es von verschiedenen Herstellern Kameras, die diese Aufgaben sehr passabel erledigen bei einem entsprechenden Verkaufspreis. Eine Kamera unter 1000 Euro konnte das meines Wissens nach bislang nicht. Ich habe schon diverse Geräte dieser und auch höherer Preisklasse in den Händen gehabt und bin meistens bei relativ hohem Ausschuss an unscharfen Bilder immer mehr oder weniger unzufrieden mit der Performance des Autofokus gewesen. Eigentlich sind bislang immer die besten Bilder einer Serie jene gewesen, die leicht oder sogar ganz unscharf waren. Das ist sehr oft zufallsgesteuert oder einfach nur Pech, mir aber schon oft passiert.


Mit dem AF der Alpha 6400 ist der Ausschuss bei Motiven wie den sich balgenden Möwen gering. Er ist treffsicher und hält die Schärfe auch beim Nachführen sehr gut. So gut, dass ich mich inzwischen sogar traue, die Kamera bei Sportveranstaltungen, insbesondere beim Fußball einzusetzen. Mit 8 Bildern pro Sekunde ist sie auch ausreichend schnell. Das ist kein Geschwindigkeitsrekord, reicht jedoch in den meisten Fällen. Wird das Licht schlechter (dunkle Sporthallen) trifft der AF nicht mehr ganz so zuverlässig. In den meisten Fällen ist er aber auch hier völlig ausreichend.


Es gibt unglaublich viele Einstellmöglichkeiten und ich bin inzwischen so weit, dass ich gar nicht alle AF-Modi brauche. Man kann die nicht gewollten Einstellungen per Menü auch ausblenden. Praktisch! Mein Lieblingsfeature ist aber das rückwärtige Display wie ein Touchpad nutzen zu können, mit dem ich den AF-Punkt verschieben kann.



Bislang hatte ich immer Kameras bei denen ich den AF Punkt via Joystick auf der Kamerarückseite verschieben konnte. Wie man sieht ist ein solcher Joystick bei der 6400 nicht vorhanden. Sobald man die Kamera aber ans Auge nimmt und die Kamera so vom Monitor auf den Sucher umschaltet, kann man mit dem Daumen auf dem Display hin- und her wischen und dabei den AF-Punkt verschieben. Diesen Punkt sieht man dabei im Sucher. Das ist meiner Meinung nach eine relativ geniale Funktion, die einen Joystick ersetzen kann. Schaut man mit dem linken Auge durch den Sucher funktioniert das natürlich auch. Man schiebt dann aber häufig den Daumen immer wieder gegen die Nase. OK - Fotografen, die es gewöhnt sind, mit dem rechten Auge durch den Sucher zu schauen haben es ein bisschen leichter.


Letztes zu nennendes AF-Feature: Der Augen-Autofokus. Die Kamera erkennt Gesichter und Augen, per Menü ist einstellbar ob sie das linke, oder rechte oder das jeweils vordere Auge des Fotografierten scharfstellen soll. Bei mehreren Personen auf dem Bild ist auch auswählbar, welche Person im Fokus ist, per Gesichtsregistrierung kann man ihr sogar antrainieren, welche Personen sie bevorzugt. Funktionen, die vor ein paar Jahren eher in das Reich der Sagen und Legenden gehört hätten.


Schön also, dass die Kamera das alles kann, aber funktioniert das auch zuverlässig? Meiner Erfahrung nach "Ja". Ein etwas unfairer Vergleich: Ich fotografiere mit der A9, die einen hochgelobten Autofokus hat, der so ziemlich die Spitze der AF Technologie im Kamerabau darstellt. Unfair deshalb, weil die A9 eine Vollformat-Systemkamera ist, die um ein vielfaches teurer ist als die kleine 6400. Deren AF ist aber ähnlich gut, nicht ganz so schnell wie bei der großen Schwester, aber durchaus ähnlich präzise.


Was kann die Kleine noch? Zum Einen hat sie das gleiche Bajonett wie ihre großen Schwestern. OK - wie gesagt - Verlängerungsfaktor 1,5 bei der Objektivbrennweite, aber alle Objektive sind so nutzbar. Und ein 1.8/135, welches an der Kamera zum 1.8/200 mutiert ist schon Smart. Ein lichtstarkes Tele mit dem man toll arbeiten kann.


Auf die Videofunktionen (hat sie natürlich) werde ich in einem späteren Eintrag noch einmal eingehen. Ich persönlich setze sie eher seltener für Videos ein, da ihr der Stabilizer fehlt. Dieser ist mir beim Fotografieren nicht so wichtig, beim Filmen aber schon. Dazu würde ich dann bevorzugt eine andere Kamera der 6xxx-Serie verwenden, z.B. die 6600, die die gleichen AF Eigenschaften hat wie die 6400, zusätzliche aber noch eine Stabilisierung im Body. Ist alles Geschmacksache, aber ich persönlich setze die 6400 zu 95 Prozent zum Fotografieren ein. Auf die Art des Menüs, viele halten das Sony Menü für kompliziert und/oder unübersichtlich (finde ich übrigens nicht), werde ich auch noch einmal separat eingehen. Das Menü meiner Kameras aus den A-Reihen ist sehr ähnlich und wird noch einmal Thema werden, wenn ich auf diese Kameras eingehe.


Vielleicht ein paar Objetivtipps zur Alpha 6400. Ich verwende oft Festbrennweiten mit der Lichtstärke 1.8, das 1.8/85, das 1.8/35 oder die teureren 1.8/20 und 135. Zoom-Objektive gibt es für die 6400 zwar auch, sogar ein richtig gutes 2.8/16-55 (das kenne ich leider nur vom einmaligen Ausprobieren) und es ist als einziges Zoom für APS-C noch auf meiner Wunschliste. Und wo wir gerade beim Wünschen sind - ich wünsche mir, dass das APS-C Format weiter Bestand hat. Scheinbar geht ja der Trend zum Vollformat und das "kleine Format" wird nicht so richtig berücksichtig. Das ist schade - denn nur "höher, schneller, weiter" heisst auch oft "größer schwerer und teurer". Eine kleine Kamera hat viel mehr Vorteile als man beim ersten Hinsehen erkennt. Fangen wir mal mit dem Gewicht an. Ich habe gern möglichst immer eine Kamera dabei (zumal ich mich weigere ein Smartphone als vollwertige Kamera anzusehen - nennt mich altertümlich - aber fotografieren mag ich nur mit einem Fotoapparat). Als "Immer-dabei-Kamera" ist die 6400 perfekt. Und auch oder gerade wer nicht beruflich mit Fotografie zu tun hat, hat manchmal gerne eine Kamera dabei, mit der Schnappschüsse einfach besser gelingen. Mal eben ein paar Bilder der Kinder, der Haustiere, der Familienfeier, im Urlaub oder der Freizeit. Insbesondere der AF der 6400 lässt die Aufnahmen viel häufiger gelingen als ein Smartphone oder eine altertümliche Kompaktkamera. So gesehen macht die Kamera also "gute Bilder", zumindest mehr "gute Bilder" als es mit den bisherigen Möglichkeiten der Fall war. Zum Preis eines Smartphones. OK - eines guten Smartphones ;-)


Ich finde das kleine Ding rockt - und sie ist fester Bestandteil des Inhalts meiner Kameratasche geworden, mit der ich beinahe täglich unterwegs bin. Ich hätte nie gedacht, dass eine "Amateurknipse" das mal schafft.